Zu den von uns oft liebevoll als "Wiedergeburtshelferinnen" bezeichneten Damen zählten unter anderem mit Gretel Winter und Agnes Mertes zwei Töchter von Nikolaus Wagner, eine Enkelin namens Anneliese Kraemer sowie Mathilde Sauer und Else Baumgärtel, die auch zur ersten närrischen Präsidentin gewählt wurde. Als Funkenmariechen der "Iwwerfiehrte" begann im gleichen Jahr die karnevalistische Laufbahn der uns allen unvergessenen Anneliese Müller.
Leider konnte Else Baumgärtel den Wiederaufschwung der "Iwwerfiehrte" nur kurze Zeit erleben, denn sie verstarb allzu früh 1958. Ihre Nachfolgerin im Amt wurde Anneliese Kraemer. Sie lenkte die Geschicke des Vereins mehr als 30 Jahre und stellte damit unter den weiblichen Karnevalisten an einer Vereinsspitze einen "Rekord" auf, der auch heute unseres Wissens noch unerreicht ist.
Unter ihrer Regie etablierten sich die "Iwwerfiehrte" wiederum zu einem anerkannten Verein in der Kowelenzer Fasenacht. Eine vorläufige Krönung ihrer beispiellosen Karriere erfuhr Anneliese Kraemer 1969, als ihr das Amt der Dame Confuentia übertragen wurde, das der allseits bekannte Werner Kratz mit seinen "Rot-Weißen" Mitte der 60er Jahre wieder hatte aufleben lassen, mit dem kleinen Unterschied, dass die Repräsentantin nun jedes Jahr neu gewählt wurde.
Da die "Iwwerfiehrte" im Bewusstsein ihrer Tradition eigentlich nie ein richtiger Möhnenclub waren und "die Sache mit den Männern nicht so eng gesehen hatten", wurde der Verein folgerichtig 1973 wieder offiziell in eine Karnevalsgesellschaft umgewandelt, wenngleich es noch ein paar Jahre dauern sollte, bis das männliche Element auch im Vorstand vertreten war.
1986 ging zum 90jährigen Vereinsjubiläum ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung: Die "Iwwerfiehrte" erhielten endlich wieder eine Fahne, die mit einer feierlichen Weihe im Koblenzer Weindorf übergeben wurde. Zwei Jahre später gab es an gleicher Stelle einen weiteren Festakt: Anneliese Kraemer empfing zahlreiche Gäste anlässlich ihres 30jährigen Dienstjubiläums als närrische Präsidentin der "Iwwerfiehrte".
In ihrer langen Amtszeit fand sie stets die tatkräftige Unterstützung der
jeweiligen 1. Vorsitzenden, das waren zunächst Agnes Mertes und Else Frass sowie schließlich Wera Grzegorzitza. Für eine weitere echte Altstädter und Weißergässer Tradition im Vorstand sorgte ein anderes Urgestein der "Iwwerfiehrte"- Fasenacht, nämlich Anneliese Müller, die
bis zu ihrem unerwarteten Tod im Jahr 2002 das Amt der 2. Vorsitzenden fast 30 Jahre lang bekleidete.
Überhaupt zeichnet sich die Vorstandsarbeit der "Iwwerfiehrte" in all den Jahren durch eine große personelle Kontinuität aus, Wechsel erfolgen meist nur, wenn jemand aus Altersgründen nicht mehr kandidiert. So übernimmt beispielsweise Heide Kelle 1979 nach 23 Jahren die Kassengeschäfte von Mathilde Sauer, um sie schließlich ihrerseits exakt nach diesem Zeitraum 2002 an Heidi Keßler weiterzugeben.
Auf der Jahreshauptversammlung 1981 werden Adolf Kelle, Peter Kraemer und Rainer Sebastiany neu in den Vorstand der "Iwwerfiehrte" gewählt und damit ist auch endgültig und für alle sichtbar das letzte Relikt des "Möhnenclubs" gefallen. An die Tatsache, dass mit einer Präsidentin und einer 1. Vorsitzenden nach wie vor noch die holde Weiblichkeit an der Spitze eines Karnevalvereins steht, können sich viele Kowelenzer Fasenachter in der damaligen Zeit aber dennoch lange nicht gewöhnen.
Die Jahre 1989 und 1990 bringen für die "Iwwerfiehrte" eine Reihe wichtiger Veränderungen mit sich.
1989 führte Anneliese Kraemer zum 31. und letzten Mal durch eine Sitzung der "Iwwerfiehrte". Die Jahreshauptversammlung wählte im gleichen Jahr ihre Tochter Karin Kraemer zur neuen Präsidentin, die damit eine Familientradition in der 4. Generation fortsetzt. Anneliese Kraemer selbst übernahm für weitere vier Jahre den Posten der 1. Vorsitzenden und wurde aufgrund ihrer Verdienste 1990 zur Ehrenpräsidentin der Gesellschaft ernannt.
Seit den 50er Jahren hatten die "Iwwerfiehrte" ihre Sitzungen stets am
Nachmittag des Schwerdonnerstags durchgeführt und das im Laufe der Jahre an den verschiedensten Orten: In den Vereins-Aufzeichnungen liest man von einem Cafe Richard am Paradies, einem Saal Külzer in der Laubach, den Restaurants Trierer Hof und Weinand sowie vom kleinen Saal in der Rhein-Mosel-Halle. 1990 trennt sich die Gesellschaft von diesem Termin, führt ihre Sitzung(en) nun auch am Wochenende abends
durch und wechselt zunächst ins HdB (Haus der Begegnung) am Zentralplatz und Mitte der 90er Jahre ins evangelische Gemeindezentrum am Moselring, stets gefolgt von ihrem treuen Stammpublikum.
Nach der Verabschiedung einer neuen Satzung wird der Verein 1990 beim Amtsgericht in Koblenz als Karnevalsgesellschaft "Iwwerfiehrte" gegr. 1896 e.V. eingetragen.
Im Jahr 1992 lässt die Gesellschaft eine alte Tradition wieder aufleben, sie veranstaltet nämlich wieder regelmäßig Kinderkostümfeste.
Mit dem 9x11jährigen und dem 100jährigen Jubiläum stehen den "Iwwerfiehrte" 1995 und 1996 zwei bedeutende Ereignisse ins Haus, denn immerhin erreichen Sie diese besonderen Jubiläen als vierter
Koblenzer Verein nach den Rheinfreunden, der Großen Koblenzer und dem Bornskrug.
Zwischen den beiden Jubiläen kommt es im Verein zu einem Umbruch.
Fast 50 Jahre nach Nikolaus Wagner, der bis zu seinem Tod 1947 als Präsident der Iwwerfiehrte in der Vereinsgeschichte geführt wird, übernimmt Ende 1995 mit Rainer Sebastiany erstmals wieder ein Mann diese Funktion. Alfred Bendel wird gleichzeitig zum neuen Vorsitzenden gewählt, so dass seit 1 x 11 Jahren der Verein wieder von Männern an der Spitze repräsentiert wird. Beide und auch ihr heutiger Nachfolger, der amtierende Sitzungspräsident und 1. Vorsitzende Karl-Heinz Keßler blieben und bleiben der Weißergässer und "Iwwerfiehrte" Tradition verpflichtet, das schöne rheinische Brauchtum gemeinsam mit Jung und Alt in familiärer Atmosphäre zu bewahren und zu pflegen.
Neben ihrer traditionellen Prunksitzung sind die "Iwwerfiehrte" seit Mitte der 90er Jahre auch im sozialen Bereich engagiert und führen in der Seniorenresidenz Humboldthöhe in Vallendar regelmäßig karnevalistische Veranstaltungen zur Freude der Seniorinnen und Senioren durch.
Auch außerhalb der närrischen 5. Jahreszeit ist die Gesellschaft mit zahlreichen Veranstaltungen wie Monatstreffen, Sommerfest, Nikolausfeier und gemeinsamen Fahrten stets aktiv und dies getreu einem alten Motto der "Iwwerfiehrte":
Sich vertragen -
Brücken schlagen-
nicht nur an den Fastnachtstagen