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Auf unsere Geschichte sind wir Stolz.

 

Unser Wappen

 


 

  

KG "IWWERFIEHRTE" gegr. 1896 e.V.
 
Ein Rückblick auf
10 x 11 Jahre
 
 
110 Jahre sind eine kurze oder eine lange Zeit, je nachdem wie man es betrachtet. Kurz -  gemessen an der Erd- oder Weltgeschichte, lang - wenn man bedenkt, welche einschneidenden Ereignisse zwischen dem Gründungsjahr der Iwwerfiehrte 1896 und dem Jahr 2006 liegen und was sich in diesem Zeitraum alles verändert hat.
 
So hat auch der Chronist mit der Historie der Iwwerfiehrte das ein oder andere Problem, denn es fanden zwischen den genannten Jahren zwei Kriege statt. Vor allem der 2. Weltkrieg verwandelte die Geburtsstätte des Vereins, nämlich die Weißer Gasse im Herzen der Koblenzer  Altstadt, in ein Trümmerfeld. Darunter verschwanden auch die Fahnen, Bilder, private Aufzeichnungen und Vereinsdokumente, so dass sich die Anfänge im Wesentlichen auf mündliche Aussagen von Kindern, Enkeln und Urenkeln der Gründungsmitglieder stützen.
 
Beginnen wir also den Rückblick 1896 und stellen auch hier gleich einige unterschiedliche Meinungen zur Gründung des Vereins fest.
In der Weißergasse wurde seit dem 13. Jahrhundert die traditionelle Kirmes gefeiert, organisiert von einer Kirmesgesellschaft, in der sich die Heimat verbundenen Bürger um die Brauchtumspflege bemühten. Viele ihrer Mitglieder fanden sich in der fünften Jahreszeit dann in einer Art Karnevalsgesellschaft zu einem bunten närrischen Treiben zusammen.
 
Damals wie auch manchmal heute gab es nun aber vor allem bei den Jüngeren andere Auffassungen über die Art und Weise, wie denn das Brauchtum richtig zu feiern sei. Das Ergebnis davon war, dass sich eine neue Kirmes- und  in der Folge eine neue Karnevalsgesellschaft bildeten.
 
Letztere nannte sich "Iwwerfiehrte", denn zu jener Zeit war es üblich, dass man sich Namen in Anlehnung an lokale Ereignisse gab.
Von der Weißergasse war nämlich kurz vorher eine Überführung über die Bahngleise nach Moselweiß gebaut worden und die Narren sahen das als einen guten und neuen Weg in die Zukunft an. Sie nahmen diese Brücke bei der Namensgebung als Symbol, um die Älteren von der Richtigkeit ihrer Art der Brauchtumspflege zu überzeugen, was in Koblenzer Mundart mit "iwwerfiehre" bezeichnet wurde.
 
 
 
In den letzten Jahren gibt es zum Namen auch noch die Version, dass in der 5. Jahreszeit einige Männer ohne Begleitung der holden Weiblichkeit einmal so richtig Fasenacht feiern wollten und sich mit allerlei fadenscheinigen Ausreden von zu Hause entfernten. Als diese dann nach der Feier sich in ihre Wohnungen schleichen wollten, wurden sie von der Damenwelt bereits erwartet und zur Rede gestellt. Sie waren schnell "iwwerfiehrt", was sie zum Anlass genommen haben sollen, das nächste Treffen offiziell als Karnevalsgesellschaft zu veranstalten.
 
In jedem Fall entwickelte die Große Coblenzer Carnevalsgesellschaft
"Iwwerfiehrte" wie sie sich offiziell nannte gleich in den ersten Jahren ihres Bestehens eine rege Aktivität und wurde in der Koblenzer Fasenacht schnell zu einem festen Begriff. Es war dies vor allem das Verdienst eines Mannes, nämlich Nikolaus Wagner. Als Gründungsmitglied und späterer Präsident verstand er es in ausgezeichneter Weise, der Gesellschaft auf Jahrzehnte hinaus Achtung und Ansehen zu verschaffen - auch weit über die Stadtgrenzen hinweg.
 
So sollen die "Iwwerfiehrte" unter anderem maßgeblich an der Einführung des Schlachtrufs "Olau" beteiligt gewesen sein und sie
stellten in den Rosenmontagszügen zwischen den Weltkriegen regelmäßig einen Prunkwagen mit Vater Rhein, Mutter Mosel sowie einem stattlichen Gefolge aus Nixen, Pagen und Hofdamen. Auf diesem Wagen an der Zugspitze stand ganz oben eine weitere Symbolfigur unserer Heimatstadt, nämlich die Dame Confluentia, die in dieser Zeit Jahr für Jahr von Gretel Winter dargestellt wurde.
 
Im Jahr 1935 erleben die "Iwwerfiehrte" der Vorkriegszeit einen Glanzpunkt im Vereinsleben: Mit Prinz " Adolf von und zu Egernstein"
stellen sie den Prinzen Karneval in Koblenz.
 
Schon bald darauf enden mit Ausbruch des 2. Weltkrieges auch die Aktivitäten der "Iwwerfiehrte", die Weißer Gasse wird in Schutt und Asche gelegt und es dauert schließlich bis 1956, ehe die Traditions-
gesellschaft wieder namentlich auftaucht.
 
Einer Handvoll couragierter Damen, größtenteils mit verwandtschaftlichen Verbindungen zu den früheren "Iwwerfiehrte", war es in diesem Jahr vorbehalten, den Verein wieder auf die närrische Bühne zurückzuführen und zwar zunächst dem Namen nach als Möhnenclub.
 
Zu den von uns oft liebevoll als "Wiedergeburtshelferinnen" bezeichneten Damen zählten unter anderem mit Gretel Winter und Agnes Mertes zwei Töchter von Nikolaus Wagner, eine Enkelin namens Anneliese Kraemer sowie Mathilde Sauer und Else Baumgärtel, die auch zur ersten närrischen Präsidentin gewählt wurde. Als Funkenmariechen der "Iwwerfiehrte" begann im gleichen Jahr die karnevalistische Laufbahn der uns allen unvergessenen Anneliese Müller.
 
Leider konnte Else Baumgärtel den Wiederaufschwung der "Iwwerfiehrte" nur kurze Zeit erleben, denn sie verstarb allzu früh 1958. Ihre Nachfolgerin im Amt wurde Anneliese Kraemer. Sie lenkte die Geschicke des Vereins mehr als 30 Jahre und stellte damit unter den weiblichen Karnevalisten an einer Vereinsspitze einen "Rekord" auf, der auch heute unseres Wissens noch unerreicht ist.
 
Unter ihrer Regie etablierten sich die "Iwwerfiehrte" wiederum zu einem anerkannten Verein in der Kowelenzer Fasenacht. Eine vorläufige Krönung ihrer beispiellosen Karriere erfuhr Anneliese Kraemer 1969, als ihr das Amt der Dame Confuentia übertragen wurde, das der allseits bekannte Werner Kratz mit seinen "Rot-Weißen" Mitte der 60er Jahre wieder hatte aufleben lassen, mit dem kleinen Unterschied, dass die Repräsentantin nun jedes Jahr neu gewählt wurde.
 
Da die "Iwwerfiehrte" im Bewusstsein ihrer Tradition eigentlich nie ein richtiger Möhnenclub waren und "die Sache mit den Männern nicht so eng gesehen hatten", wurde der Verein folgerichtig 1973 wieder offiziell in eine Karnevalsgesellschaft umgewandelt, wenngleich es noch ein paar Jahre dauern sollte, bis das männliche Element auch im Vorstand vertreten war.
 
1986 ging zum 90jährigen Vereinsjubiläum ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung: Die "Iwwerfiehrte" erhielten endlich wieder eine Fahne, die mit einer feierlichen Weihe im Koblenzer Weindorf übergeben wurde. Zwei Jahre später gab es an gleicher Stelle einen weiteren Festakt: Anneliese Kraemer empfing zahlreiche Gäste anlässlich ihres 30jährigen Dienstjubiläums als närrische Präsidentin der "Iwwerfiehrte".
 
In ihrer langen Amtszeit fand sie stets die tatkräftige Unterstützung der
jeweiligen 1. Vorsitzenden, das waren zunächst Agnes Mertes und Else Frass sowie schließlich Wera Grzegorzitza. Für eine weitere echte Altstädter und Weißergässer Tradition im Vorstand sorgte ein anderes Urgestein der "Iwwerfiehrte"- Fasenacht, nämlich Anneliese Müller, die
 
bis zu ihrem unerwarteten Tod im Jahr 2002 das Amt der 2. Vorsitzenden fast 30 Jahre lang bekleidete.
 
Überhaupt zeichnet sich die Vorstandsarbeit der "Iwwerfiehrte" in all den Jahren durch eine große personelle Kontinuität aus, Wechsel erfolgen meist nur, wenn jemand aus Altersgründen nicht mehr kandidiert. So übernimmt beispielsweise Heide Kelle 1979 nach 23 Jahren die Kassengeschäfte von Mathilde Sauer, um sie schließlich ihrerseits exakt nach diesem Zeitraum 2002 an Heidi Keßler weiterzugeben.
 
Auf der Jahreshauptversammlung 1981 werden Adolf Kelle, Peter Kraemer und Rainer Sebastiany neu in den Vorstand der "Iwwerfiehrte" gewählt und damit ist  auch endgültig und für alle sichtbar das letzte Relikt des "Möhnenclubs" gefallen. An die Tatsache, dass mit einer Präsidentin und einer 1. Vorsitzenden nach wie vor noch die holde Weiblichkeit an der Spitze eines Karnevalvereins steht, können sich viele Kowelenzer Fasenachter in der damaligen Zeit aber dennoch lange nicht gewöhnen.
 
Die Jahre 1989 und 1990 bringen für die "Iwwerfiehrte" eine Reihe wichtiger Veränderungen mit sich.
1989 führte Anneliese Kraemer  zum 31. und  letzten Mal durch eine Sitzung der "Iwwerfiehrte". Die Jahreshauptversammlung wählte im gleichen Jahr ihre Tochter Karin Kraemer zur neuen Präsidentin, die damit eine Familientradition in der 4. Generation fortsetzt. Anneliese Kraemer selbst übernahm für weitere vier Jahre den Posten der 1. Vorsitzenden und wurde aufgrund ihrer Verdienste 1990 zur Ehrenpräsidentin der Gesellschaft ernannt.
 
Seit den 50er Jahren hatten die "Iwwerfiehrte" ihre Sitzungen stets am
Nachmittag des Schwerdonnerstags durchgeführt und das im Laufe der Jahre an den verschiedensten Orten: In den Vereins-Aufzeichnungen liest man von einem Cafe Richard am Paradies, einem Saal Külzer in der Laubach, den Restaurants Trierer Hof und Weinand sowie vom kleinen Saal in der Rhein-Mosel-Halle. 1990 trennt sich die Gesellschaft von diesem Termin, führt ihre Sitzung(en) nun auch am Wochenende abends
durch und wechselt zunächst ins HdB (Haus der Begegnung) am Zentralplatz und Mitte der 90er Jahre ins evangelische Gemeindezentrum am Moselring, stets gefolgt von ihrem treuen Stammpublikum.
 
 
Nach der Verabschiedung einer neuen Satzung wird der Verein 1990 beim Amtsgericht in Koblenz als Karnevalsgesellschaft "Iwwerfiehrte" gegr. 1896 e.V. eingetragen.
 
Im Jahr 1992 lässt die Gesellschaft eine alte Tradition wieder aufleben, sie veranstaltet nämlich wieder regelmäßig Kinderkostümfeste.
 
Mit dem 9x11jährigen und dem 100jährigen Jubiläum stehen den "Iwwerfiehrte" 1995 und 1996 zwei bedeutende Ereignisse ins Haus, denn immerhin erreichen Sie diese besonderen Jubiläen als vierter
Koblenzer Verein nach den Rheinfreunden, der Großen Koblenzer und dem Bornskrug.
 
Zwischen den beiden Jubiläen kommt es im Verein zu einem Umbruch.
Fast 50 Jahre nach Nikolaus Wagner, der bis zu seinem Tod 1947 als Präsident der Iwwerfiehrte in der Vereinsgeschichte geführt wird, übernimmt Ende 1995 mit Rainer Sebastiany erstmals wieder ein Mann diese Funktion. Alfred Bendel wird gleichzeitig zum neuen Vorsitzenden gewählt, so dass seit 1 x 11 Jahren  der Verein wieder von Männern an der Spitze repräsentiert wird. Beide und auch ihr heutiger Nachfolger, der amtierende Sitzungspräsident und 1. Vorsitzende Karl-Heinz Keßler blieben und bleiben der Weißergässer und "Iwwerfiehrte" Tradition verpflichtet, das schöne rheinische Brauchtum gemeinsam mit Jung und Alt in familiärer Atmosphäre zu bewahren und zu pflegen.
 
Neben ihrer traditionellen Prunksitzung sind die "Iwwerfiehrte" seit Mitte der 90er Jahre auch im sozialen Bereich engagiert und führen in der Seniorenresidenz Humboldthöhe in Vallendar regelmäßig karnevalistische Veranstaltungen zur Freude der Seniorinnen und Senioren durch.
 
Auch außerhalb der närrischen 5. Jahreszeit ist die Gesellschaft mit zahlreichen Veranstaltungen wie Monatstreffen, Sommerfest, Nikolausfeier und gemeinsamen Fahrten stets aktiv und dies getreu einem alten Motto der "Iwwerfiehrte":
 

 

Sich vertragen -

Brücken schlagen-

nicht nur an den Fastnachtstagen

 

Karnevallsgesellschaft Iwwerfiehrte  | E-Mail-Adresse : iwwerfiehrte@web.de